Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg
Liebe Radfahrende, wir stellen euch hier auf unserem neuen Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg interessante Fahrradtouren vor, die euch für kurze Touren und lange Fahrradreisen begeistern werden. Und das Beste daran, ihr könnt mitmachen. Ein paar Fotos und eure Fahrraderlebnisse an info@grad60.com gesendet und schon seid ihr auf dem Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg dabei.
Ihr könnt auf folgenden Strecken mitfahren:
Elbe Wittenberge / Havellandtour ab Paulinenaue / Flaeming-Skate / Artikel in “My Bike” / Elberadweg Burg-Wittenberge / Rund um die Stadt Brandenburg / An der Spree nach Frankfurt/Oder / Sammelrückblick
An der Elbe von und bis Wittenberge - Fahrradtour Berlin - Brandenburg
Nun gut, in diesem Fall könnte unser Fahrradblog Berlin-Brandenburg auch gut und gerne Fahrradblog „Sachsen-Anhalt-Niedersachsen-Mecklenburg Vorpommern-Brandenburg“ heißen. Denn diese 130 Kilometer-Fahrradtour in Brandenburg führt durch alle vier Bundesländer an der Elbe entlang. Melanie begleitet mich, sie hat die Tour in zwei Etappen von 82 und 46 Kilometern geplant.
Mit dem RE8 der Bahn brauchen wir aus der Berliner City eineinhalb Stunden bis zum Startpunkt Wittenberge im Nordwesten Brandenburgs. Aber Achtung! Gemeint ist die Stadt im Landkreis Prignitz mit dem „e“ am Ende und nicht der Ort Wittenberg, der den Zusatz Lutherstadt führt.
Kurz nach dem Start in Brandenburg wechseln wir auf einem Holzbohlenweg parallel zur Bahnstrecke über die Elbe und sind in Sachsen-Anhalt. Zu unserer Begrüßung spreizt ein Fasan sein Gefieder, stellt seine langen Schwanzfedern auf und wackelt mit seiner blaugefärbten Halskrause. Oder schindet er eher Eindruck bei der Henne im braunen Tarnfarben-Look? Zwei Rehe schrecken durch unsere Störung auf und suchen mit langen Sprüngen das Weite. Kein Wunder, hier ist sonst niemand. Dabei sind die Radwege in einem hervorragenden Zustand. Selbst der Plattenweg ist asphaltglatt.
Kurze Zeit später lassen wir das Anhalt weg und setzten ein Nieder davor, wir sind in Niedersachsen. Der Weg führt nun streckenweise über verlassene Autostraßen, so verlassen, dass sich hier Fuchs und Hase begrüßen. Zumindest die Hasen schrecken wir auf und fragen uns, wofür es hier eine Straße für Kraftfahrzeuge gibt. Es ist ehemaliges Grenzgebiet und erscheint auch heute noch wie das Ende der Welt. Aber für Naturliebhaber in der erfreulichen Form.
In dieser völlig ebenen Landschaft, in der allenfalls eine Brückenauffahrt mit 1% Steigung ein Schalten erfordert, stellt sich plötzlich ein größerer Hügel in den Weg. Es ist der Höhbeck mit dem Sendemast Gartow, der aus den Zeiten „Ende der Welt“ stammt und damals Westfernsehen nach „drüben“ brachte. Der kleine 8%ige Anstieg lässt die Herzfrequenz nur kurzfristig ansteigen. Die Blicke auf die entspannt dahinplätschernde Elbe sorgen für kreislaufmäßige Beruhigung.
Wenig später fröstelt der Naturliebhaber beim Ortsschild „Gorleben“. Wie kein anderer Ort ist der Name mit der unsäglichen Altlast der Atomkraftwerke verbunden. Auch wenn hier nichts vom Endlager oder den Protesten dagegen sichtbar ist, schaudere ich über den Gedanken, was wir den nachfolgenden Generationen hier Strahlendes hinterlassen. Doch die naturnahen glatten Fahrradwege lassen auch das schnell vergessen und führen uns zu einer Brücke, die seiner Bestimmung aber nicht mehr gerecht wird.
Die Dömitzer Eisenbahnbrücke von 1873 bringt heute niemanden mehr übers Wasser. Sie wurde 1945 bei einem Bombenangriff zerstört und in den folgenden Jahren war hier Trennung und nicht Verbindung zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern angesagt. Dieses vierte Bundesland auf unserer Tour erreichen wir kurze Zeit später über eine Straßenbrücke und erschrecken uns über den lärmenden Autoverkehr. Nach fünf Stunden Natur-Ruhe unangenehm auffällig laut.
Zum Glück geht’s nach der Brücke sofort wieder in die Elbauen und nur in der Ferne tuckert ein Ausflugsdampfer genauso ausdauernd wie die wettstreitenden Kuckucks, die uns auf der gesamten Tour akustisch begleiten.
Der Radweg führt nun fast ausschließlich auf dem Deich entlang und bietet den Radfahrenden eine Auswahl: Oben auf der Krone mit Ausblick, oder daneben mit eingeschränkter Sicht. „Leichte Wahl“ könnte man sagen, aber: oben gibt es Kiesbelag und Gegenwind, unten ist es glatt und windstiller.
Der Naturbelag ist festgebundener Feinkiesel und lässt sich tadellos beradeln und auch der entgegenblasende Südostwind hält sich moderat zurück. Ein Temporekord ist nicht geplant und so fällt die Wahl auf die Aussichts-Spur, die gelegentlich auch Betonstein-Hoppler bietet.
Obwohl wir wieder nach Brandenburg wechseln, dominiert hier noch der nordische Einfluss mit der Küsten-Aussprache von „spitzen Steinen“ und Häusern, die gut und gerne auch an Nord- und Ostsee stehen könnten.
Hier übernachten wir in einer kleinen freundlichen Pension, wo uns die Teichfrösche in den Schlaf quaken. Sie scheinen sich ihrer Deckung sicher, denn schon früh am nächsten Morgen kreuzt einer ihrer Feinde unsere Fahrstrecke.
Und er ist nicht alleine! Ohne wirklich auszuspähen, zählen wir auf der Tour 48 der schwarz-weiß gefiederten Gesellen mit dem spitzen roten Schnabel. Ihre Anzahl wird natürlich getoppt durch die blökenden Rasenmäher neben dem Deich. Hunderte der Wollknäule begleiten unsere Radtour und geben dem Wiesengrün die weißen Tupfer.
Die Deichwege begleiten uns weiter bis wir wieder in Wittenberge eintreffen. Insgesamt sind rund 130 Kilometer auf dem Tacho. Für sehr Sportliche lässt sich die Tour auch an einem Tag bewerkstelligen, aber mit der Übernachtungsunterbrechung ist es mehr ein Wochenend-Urlaub. Ob mit Tempo oder etwas gemütlicher, diese Fahrradtour in Brandenburg ist für mich ein absoluter Tipp auf unserem Fahrradblog Berlin-Brandenburg.
Havelland-Tour ab Paulinenaue - Fahrradblog Berlin - Brandenburg
Es juckt der Hintern und die Beine zuppeln. Die Frühlingssonne zieht mich an den Lenker. Es ist mal wieder dringend an der Zeit für eine anständige Radtour durch Brandenburg. Als Start- und Zielpunkt habe ich mir den Bahnhof Paulinenaue ausgesucht. Die Anreise mit der Bahn ist ausgesprochen bequem und verläuft planmäßig. Am Bahnhof Südkreuz setzt der RB10 ein und somit kann ich mir ganz in Ruhe einen Platz aussuchen. Auch beim Umstieg in Nauen steht der RE8 für die Weiterfahrt bereit und bietet meinem Begleiter einen Soloplatz.
Meine Hoffnung auf ein Bäckerfrühstück in Paulinenaue zerplatzt in den menschen- und geschäfteleeren Gassen des Örtchens. So muss ich schauen, wie weit mich der leere Koffein-Tank bringt und die Kohlehydrat-Speicher reichen. Von der Wegbeschaffenheit läuft es optimal, erst recht, als ich über einen Abschnitt des Havelradweges rausche: Die Bahntrasse zwischen Rathenow und Nauen. Natürlich keine Gleise, Schotter und Schwellen; hier besteht die stillgelegte Strecke aus feistem Radfahr-Asphalt für Sattelsitze und Pedal-Lokomotiven.
An vielen Stellen bietet sich zwischen vereinzelten Alleebäumen der weite Blick über noch grüne Getreidefelder. Das Schöne ist auch gleichzeitig das Herausfordernde: Ein knackiger Nordost-Wind pustet mir erbarmungslos ins Gesicht und lässt die ebene Strecke gefühlt zu einem 10%igen Anstieg wachsen. Ist es der Wind oder der wochentägliche Vormittag? Ich bin alleine unterwegs, bis auf den Feldhasen. Der schaut mich verdattert an, wie ich ihm so nahekommen kann, bevor er vollspeed in die Felder flüchtet.
Bevor meine Speicher völlig entleert sind, darf ich ein Fahrrad-Highlight hinter Stechow genießen. Windgeschützt führt das Asphaltband durch den Wald, fernab von jedem Autoverkehr.
Rathenow rettet mich schließlich mit belegtem Brötchen und Cappuccino und gibt mir noch eine Streuselschnecke für einen späteren Stopp mit auf den Weg.
Weiter geht es auf superglatten Belag, allerdings neben einer mäßig befahrenen Landstraße. Zum Glück bekomme ich den Wind nicht mehr von vorne, sondern „nur“ noch von links. Bei Hohennauen überquere ich den Großen Havelländischen Hauptkanal, der sich hier zu einem stattlichen See verbreitert.
Etwas später lenkt mich meine Fahrrad-App in den Wald. Die Düfte von frisch geschlagenem Holz ziehen mir in die Nase, der Straßenlärm ist weit entfernt, dafür erfordert der Weg ein wenig mehr Aufmerksamkeit.
Wenig später darf ich den Wind ernten, der mir gesät wurde. Eine kräftige Brise von hinten beschleunigt mich ohne große Kraftanstrengung auf 30km/h und jetzt bin ich froh, nicht im windschützenden Wald zu radeln. Aber natürlich bleibt es nicht lange so. Eine Radtour durch Brandenburg ohne Plattenweg ist eigentlich undenkbar. Und hier am Rhinkanal biege ich in eine besonders huppelige Version ab. Am Wegesrand entdecke ich ein Schild vom „Sternenpark Westhavelland“. Hier soll bei niedriger Lichtverschmutzung der Sternenhimmel besonders gut zu beobachten sein.
Daneben findet sich eine Pausenbank, auf der ich an diesem Nachmittag nur einen Stern bewundern kann. Und der brennt mit voller Kraft in unser Planetensystem. Also Beine hoch und die Rathenower Streuselschnecke genießen.
Es bleibt noch ein gutes Stück sandig-holprig bis ich Ferbellin erreiche. Und hier, 18 Kilometer vor meinem Rückfahrtbahnhof Paulinenaue, stelle ich mir eine Schicksalsfrage. Wenn am Wegesrand ein nettes Café auf mich wartet, gibt’s ne Pause und ich nehme ganz gemütlich den übernächsten Zug zurück. Wenn nicht, habe ich 50 Minuten für die Strecke.
Mit schwitzendem Tunnelblick baller ich die schnurgerade Strecke „Stille Pauline“ entlang, der Tacho darf nicht unter die 24km/h fallen. Die stillgelegte ehemalige Bahnstrecke erleichtert mit feinem Asphalt mein Vorhaben. Nur die Muskeln empören sich, zum Abschluss noch einmal so loslegen zu müssen. Aber sie leisten ihren Dienst und bekommen am Bahnhof noch drei Minuten Pause, um sich schließlich auf der 70-minütigen Rückfahrt zu entspannen. Für ein Foto von der „stillen Pauline“ hat es aber nicht mehr gereicht.
Radtour auf der Flaeming-Skate - Fahrradblog Berlin - Brandenburg
Die Fans von Gravel-Bikes können jetzt gleich schon weghören. In diesem Artikel geht es nicht um Schotterpisten, sondern um Erste-Sahne-Glatt-Asphalt. Denn heute habe ich Lust darauf, eine Rundtour auf bestem Straßenbelag zu fahren. Da bietet sich natürlich die Flaeming-Skate an. Zur Information: Die Region südlich von Berlin wird mit „ä“, also Fläming geschrieben, aber die Skaterstrecke wird international mit „ae“ beworben.
Das Jahr 2001 ist der Beginn der Streckennutzung. Inzwischen ist die Flaeming-Skate auf 230 Kilometer angewachsen, von der ich heute 83 Kilometer abradeln will.
Ausgangspunkt für den Tagesausflug ist Luckenwalde mit einer guten Bahnanbindung von Berlin-Hauptbahnhof und Südkreuz. Etwa jede halbe Stunde starten abwechselnd die roten Züge der Deutschen Bahn als RE3 oder die gelb-grünen Wagen der ODEG als RE4 und brauchen 30-40 Minuten für die Strecke. Wenige Meter vom Bahnhof entfernt lädt mich das Asphaltband zwischen Wäldern und Feldern auf seine Strecke ein.
Gebaut wurde die Strecke als Infrastrukturhilfe in dieser ländlichen Region. Inzwischen ist sie europaweit bei Skatern bekannt, die genüsslich mit ihren Inlinern über die Asphaltdecke mit einer Körnung von 0/5 rauschen. Das ist die feinste Körnung für den Straßenbau mit Kieselsteinchen von maximal 5mm. Und was für die Skater gut ist, ist für Radfahrende recht. Sollten sich die Sportlerinnen und Sportler mit den kleinen Rollen jemals über die Biker beklagen, so sei ihnen gesagt: Die Wege sind mit dem blauen Verkehrszeichen „Fahrradstraße“ versehen.
Nach meiner Erfahrung läuft die Koexistenz auf der Strecke aber problemlos. Die Wege sind mit zwei bis drei Metern breit genug, um locker zu passieren. An gefährlichen Gefällestrecken oder Kurven finden sich Warnhinweise, sodass jeder in seiner Fahrspur bleiben kann.
Ohnehin ist an diesem Wochentag ausgesprochen wenig los und ich danke, dass ich als Pensionär diese Zeit außerhalb der Rushhour nutzen kann. Der Weg schlängelt sich an herbstlichen Feldern vorbei oder taucht gelegentlich in Kiefernwälder ab. Die Nase wird abwechselnd mit harzigen Walddüften und ländlichen Güllegerüchen überrascht. Meist sind die Wegstrecken eben, nur selten muss der große Oberschenkelmuskel bei kleinen Hügeln an seine Maximalkraft gehen.
Es rollt sich so dahin. Die Strecke ist hervorragend ausgeschildert und so glatt wie versprochen. Ich düse entspannt und fast schon dösend das Asphaltband entlang. Hier lässt sich richtig Tempo machen, wenn man möchte. Äußerst selten drücken an wenigen Stellen ein paar vorwitzige Wurzeln von unten an die Rennstrecke und sorgen für ein ruckliges Erwachen. Also Augen auf. Dann lassen sich auch die leuchtend gelben Marillen an den Streuobstbäumen entdecken, die zum Verpflegungsstopp auffordern. Die dunkelblauen Pflaumen verlangen einen Maden-Check und sauersaftige Äpfel produzieren Pfützen im Mund.
Es ist ein Genuss, in Ruhe und ohne Autoverkehr entspannt Fahrrad zu fahren. Wirklich schön, dass es diese Flaeming-Skate gibt. Rund fünf vergnügliche Stunden war ich für die 83 Kilometer unterwegs. Ich habe mich nicht hetzen lassen und das Fahrradfahrer-Geschenkpaket hier im Süden Berlins genossen. Wenn ihr mitkommen möchtet, dann klickt auf das folgende Video.
Und wer die Strecke nachradeln möchte, für diejenigen habe ich die Strecke von meiner Navigationsapp „komoot“ eingestellt.
Gut versorgt - My Bike - Fahrradblog Berlin - Brandenburg
„Davon lässt sich ohne Rülpser mehr wegtrinken!“ So werde ich zitiert zu meinem Lieblingsgetränk auf Radtouren: Leitungswasser mit etwas Apfelsaft.
Die Autorin Anja Reiter stieß bei ihren Recherchen zu einem Artikel für das Magazin „My Bike“ auf unseren Blog und unsere Radtouren. Und dafür befragte sie mich zu meinem Proviant auf Radreisen.
Ich sendete ihr ein paar Fotos von meinen Verpflegungspausen zu und beschrieb meine Vorlieben. Kommen euch die Bilder bekannt vor? Ja, sie stammen von meiner längsten und anstrengendsten Tour von Berlin nach Barcelona. Da gab es einen täglichen Beitrag über die Erlebnisse auf den 2.600 Kilometern. Es ist mit 4.200 Aufrufen einer der meist angeklickten Beiträge auf unserem Blog, nicht zuletzt, weil er beim Google-Suchbegriff „mit dem fahrrad nach barcelona“ auf dem ersten Platz der Antworten steht.
Mein Barcelona-Trip ist eine Kurzstrecke, wenn ich mir die 19.200 Kilometer von Angelika und Reinhard auf ihrem Blog https://www.saddlestories.at/ anschaue. Sie berichten in dem Artikel von My Bike über ihre Verpflegung in Malaysia und China.
Okay, das ist extrem. Für mich reichen auch kürzere Strecken für das Erlebnis Fahrradfahren. Wie wäre es mit einer Genussreise durch die Mecklenburgische Seenplatte? Oder ein Radurlaub ohne lästige Berge: Geschichten aus einem flachen Land.
Wie auch immer. Das Thema Radtouren reizt mich wieder kräftig und langsam steige ich auch wieder in die Planung einer Langstrecke ein. Wenn auch nicht so weit wie Angelika und Reinhard.
Auf jeden Fall bin ich ein bisschen stolz auf den Artikel in der Ausgabe des Rad-Magazins.
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Drei Tage Fahrradurlaub – Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg
Weniger ist manchmal mehr! Oder anders ausgedrückt, auch drei Tage können ein Urlaub sein. Was gehört dazu? Eine kurze Anfahrt, neue Sichten und entspannte Bewegung. Wenn ihr das ähnlich seht, hab‘ ich eine Empfehlung für euch: 130 Kilometer Elbe-Radweg. Ich habe das Stück zwischen Burg (bei Magdeburg) und Wittenberge gewählt. Nicht zu verwechseln mit Lutherstadt-Wittenberg. Das ist schon eine eigene Reise wert. Da habe ich auf meiner Langstreckenfahrt nach Barcelona übernachtet. In dieses Wittenberge mit dem „e“ am Ende braucht der Regionalexpress von der Spree an die Elbe gerade mal eine gute Stunde Das geht sogar mit dem Lappen im Gesicht.
Wenige Minuten später führt der asphaltierte Radweg zwischen grünen Wiesen auf einen kleinen Buckel. Der Elbdeich ist erreicht. Sozusagen die höchste Erhebung im näheren Umkreis. Nur in der Ferne ragen die Abraumhalden eines Kieswerkes über die Ebene. In der Nähe liefern wollige Rasenmäher das passende Deich-Ambiente.
Die Fähre Rogätz fährt und so fährt es sich bequem auf der gegenüberliegenden Flussseite weiter. Der Elberadweg, überall sehr gut ausgeschildert, nutzt jetzt nicht mehr den Deich, sondern wird über fast autoleere Landstraßen geführt. Nicht ganz so romantisch, aber auch kein schlechtes Gefühl, einen derart breiten Fahrweg für das Rad zu haben.
Nach 50 Kilometern ist das Tagesziel erreicht. Das erste Mal habe ich von Tangermünde und der bewegenden Geschichte über Grete Minde durch Martins Blogartikel erfahren. Und ich kann ihn nur bestätigen: was für eine schöne Stadt. Trotz der vielen Brände im Mittelalter und der damit verbundenen Geschichte über Grete, strotzt der Ort mit Stadtmauer, Türmen und Kirchen nur so von historischen Gebäuden. Deutlich überragt der Eulenturm die vielen Fachwerkhäuser und bot dem Wachpersonal im 15. Jahrhundert den Blick in alle Himmelsrichtungen.
Mit der Stadtführung spaziere ich durch die Gassen, erfahre Wissenswertes über das Kuhschwanz-Bier, bekomme einen Blick für das Rathaus, die Stadttore und verstehe jetzt den Begriff „Torschlusspanik“, wenn in den mittelalterlichen Zeiten die reisenden Händler noch schnell die sichere Stadt erreichen wollten, bevor die Tore für die Nacht geschlossen wurden.
Die bleiben heute offen und ein lebhaftes Städtchen zeigt sein lebendiges Gesicht in der anbrechenden Nacht. Das Brauhaus bietet mir ein sicheres Plätzchen und lässt mich nach mehreren namensgebenden Getränken tief und fest schlummern. Der zweite 50 Kilometer-Urlaubstag spart zunächst auch mit den Elbblicken und hält einige Feldwege mit rüttelliegen Verbundpflastersteinen für die Fahrradpneus bereit.
Schließlich schwenkt der Weg an einem alten Elbarm zwischen Kannenberg und Berge wieder an den Fluss. Graugänse flappen schwungholend über das Wasser und fliegen laut schimpfend über die Störung in sichere Entfernung weg. Kühe rupfen schmatzend fette Grasbüschel aus den überfluteten Wiesen und ein stakender Storch linst aufmerksam nach hüpfender Fleischkost in die Pfützen. So gefällt mir das.
Nur noch ein kurzes Stück und Havelberg ist erreicht. Den Namen trägt das kleine Städtchen von dem „Berliner“ Fluss, der das Zentrum vollständig umschließt. Wenige Kilometer flussabwärts wird die Havel ihr Wasser der deutlich größeren Elbe hinzugeben. Auf der Stadtinsel ist weit weniger los als in Tangermünde, aber ein gemütlicher Cappuccino ist als Koffein-Turbo für den Aufstieg zum höher gelegenen Dom St. Marien zu Havelberg allemal möglich.
Das etwas außerhalb gelegene Art-Hotel bietet diesmal die luxuriöse Erholungsstätte für die letzte Etappe des Kurzurlaubs. Der neue Tag verwöhnt nun mit Deichfahren pur. Auf der einen Seite die Elbe, auf der anderen die Havel, daneben Havel-Elbe-Verbindungskanal, Vorfluter und alte Wasserarme. Sie bereiten unzähligen Störchen ein All-inclusive-Verwöhn-Büffet. Über 30 Paare thronen stolz mit ihrem Nachwuchs auf den gewaltigen Nestern und klappern mit ihren Partnern um die Schnabelwette.
Auf dem weiteren Deichweg kreisen die schwarz-weißen Riesenflieger in großer Höhe über mir, als plötzlich ein Feldhase aus der Deckung aufspringt und die Fahrradpiste quert. Dazu gibt es für den Radurlauber als optische Beilage Kranich, Graureiher, Bussard und Rotmilan. Mit so viel Ablenkung ist Wittenberge schneller als erwartet erreicht. Noch eine kleine Stärkung in der alten Ölmühle, heute Restaurant, Hotel und Unterhaltungszentrum, und der Regionalexpress düst zurück nach Berlin. Kurze Rückfahrt, neue Sichten und entspannte Bewegung. War alles dabei!
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Rund um die Stadt Brandenburg – Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg
Mir ist so nach Fahrradfahren! Diese Kombination von Sport, frischer Luft und Landerlebnis zerrt mich so oft wie möglich auf den Sattel. Heute habe ich mal eine moderate Tour von 46 Kilometern vor dem Lenker. Mit ausreichend Pausen, Besichtigungen und Ausblicken im Planungsrucksack. Die Anreise von Berlin in die Stadt Brandenburg ist im Prinzip problemlos mit der Bahn möglich. Wenn dutzend Andere die gleiche Idee haben, wird es jedoch in den knapp bemessenen Radabteilen knirschend schutzblecheng. Alle rucken und rücken und so passen mehr Räder in den Waggon als vorgesehen. Schließlich spuckt mich der Regionalexpress unbeschadet im sonnigen Brandenburg aus, wo ich nach wenigen Metern erst einmal die Segelflieger bewundere.
Eine Seilwinde zieht die motorlosen Leichtflieger an und sie schießen nahezu senkrecht in die Höhe, bis sie das Seil ausklinken und ihre forschen Kringel am Himmel ziehen. Vor ihrem Start dachte ich noch leichtfüßig, da möchte ich mal mit. Jetzt scheint mir eine sehr gute Portion frischer Mut erforderlich. Außerdem will ich Radfahren und nicht Fliegen! Mit der Freude des ebenerdigen Fortbewegens fahre ich über einen festen Naturweg in die Wälder am Beetzsee.
Der nächste Hingucker ist das Domstiftsgut Mötzow aus dem Jahr 1204. Die Kirche kümmerte sich nicht nur um ihre menschlichen Schäfchen, sondern bewirtschaftete auf dem Gut auch 900 blökende Wolltiere. Natürlich wurde an dem Gut des Öfteren die Maurerkelle und der Farbpinsel angesetzt, sodass es sich rot-weiß strahlend vom kräftig blauen Himmel absetzt.
Vor der Auffahrt parke ich mit meinem Cust-Tec-Superrad zwischen etwas älteren Gefährten: einem grünen Deutz-Traktor von 1952 und dem blauen Lanz Bulldog aus dem Jahr 1940 mit einer Leistung von 35 Pferdestärken. Ich liebe diese alten Modelle und bewundere die plastikfreien Details von Motor, Federung und Beleuchtung.
Weiter geht es am Oberen Beetzsee in Richtung Päwesin über feste Waldwege in ruhiger Natur. Ein Kuckuck begleitet das entspannte Radeln mit seinen dauerhaften Rufen bis zum Örtchen Päwesin, das mit einer Besonderheit aufwartet, die ich im Landkreis Potsdam-Mittelmark sicher nicht erwartet habe: eine Bäckerei der Buddhistischen Klosterschule mit dem passenden Namen „Backwahn“. Das unscheinbare Lädchen und die lange Schlange Wartender schreckt mich zum Glück nicht ab.
Mit der Angst so vieles zu verpassen, wähle ich aus der überquellenden Kuchenvitrine tapfer nur ein Stückchen Kirsch-Bienenstich aus. Die süß-karamellisierten Mandelsplitter passen perfekt zu der säuerlichen Frucht auf dem saftigen Teig. Gut entschieden – aber der Rest sieht auch so lecker aus…
Auf dem folgenden Straßenstück können wenigstens ein paar der Kalorien wieder abgebaut werden, bis es auf Feld- und Waldwegen zur Blockwindmühle von Ketzür geht. Seit 1862 steht sie hier. Das Mühlenhaus ist drehbar auf einem hölzernen Bock gelagert und kann mit dem langen Hebebalken in den Wind gedreht werden. Muss ganz schön schwer sein.
Von einem Vogel-Beobachtungsturm in der Nähe suche ich die Feuchtwiesen, den Teich und das Schilf nach besonderen Arten ab. Außer ein paar Enten, Schwänen und Blesshühnern zeigt sich jetzt in der Nachmittagssonne aber kein anderer gefiederter Geselle. Nun gut, die grünen, blauen, weißen Farbtöne kann ich auch so genießen.
Der Weg führt vorbei an Spargelfeldern und kleinen Fließen zurück in die Stadt Brandenburg. An der Brücke über die Brandenburger Niederhavel lockt mit Chillout-Musik vor der ehemaligen Werkshalle das Restaurant Werft zur Pause bis zum Sonnenuntergang. Könnte so auch auf Ibiza sein und zur Abrundung genieße ich einen Gin-Tonic „Bulldog“. Köstlich in Geschmack und Stimmung. Vielleicht etwas für unsere Serie Gin-Gin-Gin. Statt einer Bulldogge schaut mir allerdings der berühmte Waldmops von Loriot beim Trinken zu.
Hier in Brandenburg stehen einige dieser Gesellen herum. Bekanntlich wurde Loriot in der Stadt geboren und wie wir wissen, ist er auf dem Friedhof an der Heerstraße in Berlin beigesetzt. Der Weg zum Bahnhof für die Rückfahrt ist nun nicht mehr weit und jetzt zur abendlichen Stunde gibt es auch etwas mehr Platz im Fahrradabteil der Bahn. Eine entspannte Radtour geht zu Ende. Wirklich passend für so mal zwischendurch.
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An der Spree entlang nach Frankfurt/Oder – Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg
Meine Tour für heute startet schon mal mit einem Highlight aus der jüngeren Geschichte Berlins. 2008 hob hier der letzte Linien-Flieger nach Mannheim ab. Es war eine Propellermaschine Dornier 328 der Cirrus Airlines. Inzwischen ist der Flughafen Tempelhof eine Freizeitoase, auf dem nur noch Lenkdrachen starten und Sportler mit Joggingschuhen, Skates und Fahrrädern ihre Runden drehen.
Als ehemaliger Autofahrer verblüfft mich gelegentlich das grüne Berlin mit seinen Fahrradstrecken abseits der stinkenden Lärmstraßen in dieser Stadt. Und erst recht, wenn es über der Stadtautobahn durch Neukölln geht. Richtig, der Britzer Tunnel lässt uns Radfahrer bequem und in aller Ruhe das muskelbetriebene Fortkommen über der Autobahn genießen. Danach begleiten wir den Teltowkanal ein gutes Stück in der Natur, bis uns leider am Adlergestell die Kraftfahrzeuge wieder in die Ohren brüllen. Zum Glück können wir uns in Richtung Langer See wegmogeln, bis wir bei Schmöckwitz wieder auf die Ausfallstraße stoßen. Jetzt müssen wir es noch ein paar Kilometer auf straßenbegleitenden Radwegen aushalten, bis wir alleine im Wald über den Asphaltweg summen.
Jetzt umfängt mich wieder dieses Freiheitsgefühl in der Brust. Die Lungen saugen aromatisierten Sauerstoff von Frühlingsblumen und Kiefernharz. Es fährt sich leicht und schwerelos. Selbst die Spree lässt sich nun Zeit und schlängelt sich gemütlich durch die Auenlandschaft. Sie ist für große Schiffe längst zu schmal und kurvig und bietet nur noch Ausflugsbooten den Wasseruntersatz. Kurz vor Fürstenwalde führt eine schmale Brücke über den ehemaligen Hafen der Pintsch AG. Das Unternehmen wurde im 19. Jahrhundert durch die Produktion von ölgasbetriebenen Eisenbahn- und Bojenlampen bekannt, die zum Beispiel nachts die Navigation im Suezkanal ermöglichte. Heute bohrt und schraubt hier niemand mehr. Von dem Industriebetrieb ist nichts mehr übrig.
Kurz dahinter liegt Fürstenberg/Spree, das ich aber links liegen lasse. Insgesamt werden es heute 120 Kilometer und daher spare ich mir den Abstecher in die Ortsmitte. Ich fahre weiter am Uferweg entlang und quere Berkenbrück. Eine breite Straße durch den Wald endet autofrei in einer Sackgasse, sodass ich mit meinem Tretfahrzeug ausladend Platz habe. An einem Waldweg biege ich ein paar Meter ab und schlage mein Mittagslager mit bäckergeschmierten Käsebrötchen auf.
Dankbar für die Erholung merke ich erst jetzt den herüberschwallenden Lärm der 500 Meter entfernten Autobahn. In der kurzen Abwägung, Ertragen oder Weiterfahren, siegt die Faulheit. Aber richtig erholsam ist die Pause nicht und ich schwinge mich bald wieder auf den Sattel. Die Oberschenkelmuskel haben eigentlich noch keinen Bock und so wird schon eine kleine Brückenerhebung über die Autobahn zur Anstrengung. Glücklicherweise kriegen sie sich mit der Zeit wieder ein und meine Sinne können sich wieder der Natur widmen. Als auffälliges Zeichen passt da die 350-jährige Kurfürsteneiche bei Biegenbrück genau ins Bild.
Bis kurz hinter Müllrose bin ich mit der Wegführung sehr zufrieden. Das letzte Stück bis Frankfurt ist dann nur noch ein ungepflegter, straßenbegleitender Radweg, der unentschlossen und lieblos mal links- mal rechtsseitig der Straße geführt wird. Vielleicht liegt es auch an den 120 Radkilometern, die meinen Lustpegel weiter sinken lassen. Ich bin richtig froh, den Bahnhof in Frankfurt/Oder zu erreichen und genieße die Rückfahrt nach Berlin, ohne auch nur einen Muskel bewegen zu müssen.
Den genauen Streckenverlauf könnt ihr der Navigationskarte von komoot entnehmen:
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Sammelrückblick – Fahrradblog aus Berlin - Brandenburg
Es ist ja nun nicht so, dass wir bisher noch nicht über Radtouren berichtet haben. Im Gegenteil. Im Laufe der Jahre hat sich da einiges angesammelt. Für eine bequeme Suche nach den richtigen Fahrradtouren geben wir euch hier einen kleinen Überblick. Zum Weiterlesen, einfach auf den Titel klicken: Kleine Radtour von Falkensee zum Eis-Essen nach Potsdam:
Und wo lässt es sich besser radfahren als in Ostfriesland. Keine Berge zwicken die Tretmuskeln. Ein idealer Urlaubstipp für Radbegeisterte: Geschichten aus einem flachen Land.
Mehrere Gastbeiträge von Radtouren der grad60-Community bereichern unseren Fahrradblog aus Berlin - Brandenburg: Thomas Gehrmann bezwingt mit seinem Freund Horst den Königsseeradweeg bis nach Berchtesgaden,
Achim und Daniela fahren die Sieben Seen Radtour Brandenburg.
Und Carola begeistert mit ihrem selbstgebauten Fahrradanhänger.
Warum nicht mal den Schleusenkrug in Berlin-Tiergarten mit einer Fahrradtour verbinden? Martin hat’s gemacht.
Hier, auf unserem Fahrradblog aus Berlin-Brandenburg, gibt es auch richtig lange Touren zum nachradeln. Wie wäre es mit einer Fahrradtour nach Prag?
Oder wer es richtig weit mag, kann mitkommen auf meiner Fahrradreise nach Barcelona mit vielen Streckentipps und Erlebnissen.
Ganz zum Schluss will ich noch erwähnen: wir beide, Martin und Thomas, als Betreiber des Blogs www.grad60.com, gehören zu der sportaktiven Gruppe der ü60 und wollen euch animieren, die freie Zeit des Seniorenlebens aktiv zu gestalten. Fahrradfahren und andere Hobbys sind gute Gründe, uns allen darüber zu berichten. Macht mit! Wenn ihr ab und zu ein paar Informationen von uns wollt, dann tragt euch doch zur Newsletter (ganz unten auf der Seite) ein oder folgt uns auf Instagram und Facebook. Die Links befinden sich oben rechts.
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